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26.10.2021 | 19:00 | Erfurt, Erinnerungsort Topf Söhne, Sorbenweg 7
Mitte 1944 entstand im KZ Auschwitz-Birkenau eine Vielzahl von Fotografien der SS-Fotografen Bernhard Walter und Ernst Hoffmann, einem Thüringer Lehrer. Erhalten blieben die Bilder in Form eines Albums im Besitz der Holocaust-Überlebenden Lili Jacob, die es im April 1945 im befreiten KZ Mittelbau-Dora gefunden hatte. Viele der in ihrer offenen oder subtilen Brutalität unerträglichen Aufnahmen zeigen die Ankunft der Deportierten, andere die Selektionen sowie Koffer und Kleidung Verschleppter und Ermordeter. Tal Bruttmann, Stefan Hördler und Christoph Kreutzmüller haben in akribischer Forschungsarbeit die Herkunft der abgebildeten Menschen, die Entstehung und den Kontext des Albums analysiert und ordnen die Bilder in diese Zusammenhänge ein. Bewusst setzen sich die Autoren mit der Diskrepanz und den Deutungsebenen auseinander, die der Fotografie als (miss)interpretierbarer, (schein)objektiver Visualisierung eigen sind. Sie durchbrechen die Intention des Albums – die Inszenierung des durchgeplanten und in Auschwitz und anderswo vollzogenen Menschheitsverbrechens im Nationalsozialismus.
Stefan Hördler ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Georg-August-Universität Göttingen. Zahlreiche, internationale und preisgekrönte Veröffentlichungen zur Geschichte des Nationalsozialismus, u.a. „Das Höcker-Album. Auschwitz durch die Linse der SS“.
Christoph Kreutzmüller ist Historiker und Pädagoge am Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin. Zahlreiche, preisgekrönte Publikationen zur nationalsozialistischen Wirtschafts- und Fotogeschichte sowie zur Geschichte Berlins.
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