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04.07.2022 | 19:30 | Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt
In der Debatte zur Umbenennung des Erfurter Nettelbeckufers in Gert-Schramm-Ufer war immer wieder, und zuletzt bei einer Veranstaltung im Erfurter Kulturquartier Anfang Mai 2022, zu hören: „Nettelbeck hat doch nur seine Heimatstadt Kolberg verteidigt. Dass er vom deutschen Nationalismus, der ja anfangs durchaus progressiv war, und von den Nazis instrumentalisiert wurde, dafür kann er nun wirklich nichts.“ Wie hat sich Nettelbeck selbst geäußert und wie diejenigen, die ihn zu einem Nationalhelden gemacht haben: z.B. Gneisenau, Paul Heyse, Wilhelm II. oder Nazi-Schriftsteller und DDR-Historiker? In Form einer Lesung lässt die Veranstaltung die historischen Quellen sprechen. Zugleich wird die Behauptung, der deutsche Nationalismus sei anfangs progressiv gewesen, mit dem aktuellen Stand der Nationalismusforschung konfrontiert. Dabei zeigt sich: Nettelbeck schreibt sich in einen monarchistischen Preußen-Nationalismus ein, der schon vor der französischen Revolution und Napoleon xenophob und imperial-expansiv war. Seine Verehrung als Volksheld beruhte bereits im Nationalismus des 19. Jahrhunderts und selbst noch bei den Nazis auf einer Verdrängung seiner Beteiligung am transatlantischen Versklavungshandel, die teils mit denselben Argumenten erfolgte wie heute.

Lesung mit Julia Maronde (Schauspielerin aus Erfurt), Einführung und Kontextualisierung: Dr. Urs Lindner (Universität Erfurt und Decolonize Erfurt)
Die Veranstaltung wird zeitgleich als Facebook-Livestream übertragen. Einfach Decolonize Erfurt folgen und 19.30 Uhr dabei sein!

Eine Veranstaltung von Decolonize Erfurt in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und dem lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus der Stadt Erfurt.
„Deutsche, spiegelt Euch daran!“ - Eine Lesung zu Nettelbeck, Heldenverehrung und Versklavungshandel
Für diese Veranstaltung ist derzeit keine Anmeldung möglich.
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